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SYSTEMD.SERVICE(5) systemd.service SYSTEMD.SERVICE(5)

systemd.service - Dienste-Unit-Konfiguration

Dienst.service

Eine Unit-Konfigurationsdatei, deren Name in ».service« endet, kodiert Informationen über einen von Systemd gesteuerten und überwachten Prozess.

Diese Handbuchseite listet die für diesen Unit-Typ spezifischen Konfigurationsoptionen auf. Siehe systemd.unit(5) für die gemeinsamen Optionen von allen Unit-Konfigurationsdateien. Die gemeinsamen Konfigurationselemente werden in den generischen Abschnitten »[Unit]« und »[Install]« konfiguriert. Die dienstespezifischen Konfigurationsoptionen werden im Abschnitt »[Service]« konfiguriert.

Zusätzliche Optionen sind in systemd.exec(5), das die Ausführungsumgebung, in der die Befehle ausgeführt werden und in systemd.kill(5), das die Art der Beendigung der Prozesse des Dienstes definiert und in systemd.resource-control(5), das die Ressourcensteuerungseinstellungen für die Prozesse des Dienstes konfiguriert, aufgeführt.

Falls ein Dienst unter einem bestimmten Namen angefordert wird, aber keine Unit-Konfigurationsdatei gefunden wird, schaut Systemd nach einem SysV-Init-Skript mit dem gleichen Namen (ohne die Endung .service) und erstellt dynamisch eine Dienste-Unit aus diesem Skript. Dies ist zur Kompatibilität mit SysV nützlich. Beachten Sie, dass diese Kompatibilität recht umfangreich, aber nicht 100% ist. Für Details über die Inkompatibilitäten, siehe das Dokument Inkompatibilitäten mit SysV[1].

Der Befehl erlaubt das dynamische und flüchtige Erstellen von ».service«- und ».scope«-Units auf der Befehlszeile.

systemd-Dienste können ein einzelnes Argument über die Syntax »Dienst@Argument.service« akzeptieren. Solche Dienste heißen »instanziierte« Dienste, während die Unit-Definition ohne den Parameter Argument »Vorlage« genannt wird. Eine Beispiel könnte die Dienstevorlage dhcpcd@.service sein, die eine Netzwerkschnittstelle als Parameter akzeptiert, um einen instanziierten Dienst zu formen. Innerhalb dieser Dienstedatei kann auf diesen Parameter oder den »Instanzennamen« mit Kennzeichnern »%« zugegriffen werden. Siehe systemd.unit(5) für Details.

Die folgenden Abhängigkeiten werden implizit hinzugefügt:

•Dienste mit Type=dbus erlangen automatisch Abhängigkeiten des Typs Requires= und After= von dbus.socket.

•Socket-aktivierte Dienste werden automatisch nach ihren aktivierenden .socket-Units mittels einer automatischen After=-Abhängigkeit sortiert. Dienste ziehen auch alle in Sockets= aufgeführten .socket-Units mittels automatischer Wants=- und After=-Abhängigkeiten herein.

Zusätzliche implizite Abhängigkeiten als Ergebnis der Ausführung und der gemäß systemd.exec(5) und systemd.resource-control(5) dokumentierten Ressourcen-Steuerungsparameter können hinzugefügt werden.

Die folgenden Abhängigkeiten werden hinzugefügt, es sei denn, DefaultDependencies=no ist gesetzt:

•Dienste-Units werden Abhängigkeiten des Typs Requires= und After= von sysinit.target, eine Abhängigkeit des Typs After= on basic.target sowie Abhängigkeiten vom Typ Conflicts= und Before= von shutdown.target haben. Dies stellt sicher, dass normale Dienste-Units alle grundlegenden Systeminitialisierungen hereinziehen und sauber vor dem Herunterfahren des Systems beendet werden. Nur Dienste, die an der frühen Systemstartphase oder beim Herunterfahren des Systems beteiligt sind, sollten diese Option deaktivieren.

•Instanziierten Dienste-Units (d.h. Dienste-Units mit einem »@« in ihrem Namen) wird standardmäßig eine vorlagenbezogene Scheiben-Unit zugewiesen (siehe systemd.slice(5)), die nach der Vorlagen-Unit benannt wird und alle Instanzen der festgelegten Vorlage enthält. Diese Scheibe wird normalerweise beim Herunterfahren zusammen mit allen Vorlageninstanzen gestoppt. Falls dies nicht gewünscht ist, setzen Sie DefaultDependencies=no in der Vorlagen-Unit und definieren entweder Ihre eigene, vorlagenbezogene Scheiben-Unit-Datei, die auch DefaultDependencies=no setzt oder setzen Slice=system.slice (oder eine andere geeignete Scheibe) in der Vorlagen-Unit. Siehe auch systemd.resource-control(5).

Dienstedateien müssen einen Abschnitt »[Service]« enthalten, der Informationen über den Dienst und den Prozess, den er überwacht, zusammenträgt. Eine Reihe von Optionen, die in diesem Abschnitt genutzt werden können, werden mit anderen Unit-Typen gemeinsam benutzt. Diese Optionen sind in systemd.exec(5), systemd.kill(5) und systemd.resource-control(5) beschrieben. Die für den Abschnitt »[Service]« von Dienste-Units spezifischen Optionen sind:

Type=

Konfiguriert den Prozessstarttyp für diese Dienste-Unit. Einer aus simple, exec, forking, oneshot, dbus, notify oder idle:

•Falls auf simple gesetzt ist (die Vorgabe, falls ExecStart= festgelegt ist, aber weder Type= noch BusName= gesetzt sind), wird der Diensteverwalter die Unit als gestartet betrachten, sobald der Hauptdiensteprozess mittels »fork« erzeugt wurde. Es wird erwartet, dass der mit ExecStart= konfigurierte Prozess der Hauptprozess des Dienstes ist. In diesem Modus sollte der Kommunikationskanal vor dem Starten des Dienstes installiert sein (d.h. die Sockets von Systemd mittels Socket-Aktivierung eingerichtet sein), da der Diensteverwalter sofort mit dem Starten von nachfolgenden Units beginnt, direkt nachdem der Hauptdiensteprozess erstellt und bevor das Programm des Dienstes ausgeführt wurde. Beachten Sie, dass dies bedeutet, dass Befehlszeilen systemctl start für simple-Dienste Erfolg melden werden, selbst wenn das Programm des Dienstes nicht erfolgreich aufgerufen werden kann (beispielsweise weil der ausgewählte User= nicht existiert oder das Programm des Dienstes fehlt).

•Der Typ exec ist ähnlich zu simple, aber der Diensteverwalter wird die Unit sofort nach der Ausführung des Hauptdiensteprogramms als gestartet betrachten. Der Diensteverwalter wird das Starten nachfolgender Units bis zu diesem Zeitpunkt verzögern. (Oder in anderen Worten: simple fährt einfach mit weiteren Aufträgen fort, direkt nachdem fork() zurückkehrt, während exec nicht fortfahren wird, bevor sowohl fork() als auch execve() im Diensteprozess erfolgreich waren.) Beachten Sie, dass dies bedeutet, dass die Befehlszeile systemctl start für exec-Dienste einen Fehlschlag melden wird, wenn das Programm des Dienstes nicht erfolgreich aufgerufen werden kann (beispielsweise weil der ausgewählte User= nicht existiert oder das Diensteprogramm fehlt).

•Falls auf forking gesetzt, wird erwartet, dass der mit ExecStart= konfigurierte Prozess fork() als Teil seines Hochfahrens aufrufen wird. Es wird erwartet, dass der Elternprozess sich nach dem Hochfahren und der Einrichtung aller Kommunikationskanäle beendet. Der Kindprozess läuft als Hauptdiensteprozess weiter und der Diensteverwalter wird die Unit als gestartet betrachten, wenn sich der Elternprozess beendet. Dies ist das Verhalten traditioneller UNIX-Dienste. Falls diese Einstellung verwandt wird, wird empfohlen, auch die Option PIDFile= zu verwenden, so dass Systemd zuverlässig den Hauptprozess des Dienstes identifizieren kann. Systemd wird mit dem Starten von nachfolgenden Units fortfahren, sobald sich der Elternprozess beendet.

•Das Verhalten von oneshot ist ähnlich zu simple, allerdings wird der Diensteverwalter die Unit als gestartet betrachten, nachdem sich der Hauptprozess beendet hat. Er wird dann nachfolgende Units starten. RemainAfterExit= ist für diesen Dienstetyp besonders nützlich. Type=oneshot ist die implizierte Vorgabe, falls weder Type= noch ExecStart= festgelegt ist.

•Das Verhalten von dbus ist ähnlich zu simple, allerdings wird erwartet, dass der Dienst einen Namen auf dem D-Bus-Bus erlangt, wie dies durch BusName= konfiguriert ist. Systemd wird mit dem Starten nachfolgender Units fortfahren, nachdem der D-Bus-Busname erlangt wurde. Dienste-Units, bei denen diese Option konfiguriert ist, erhalten implizit eine Abhängigkeit auf die Unit dbus.socket. Dieser Typ ist die Vorgabe, falls BusName= festgelegt ist.

•Das Verhalten von notify ist ähnlich zu exec, allerdings wird erwartet, dass der Dienst mittels sd_notify(3) oder einem Äquivalent eine Benachrichtigung sendet, wenn er mit dem Hochfahren fertig ist. Systemd wird mit dem Starten nachfolgender Units fortfahren, nachdem diese Benachrichtigung gesandt wurde. Falls diese Option verwandt wird, sollte NotifyAccess= (siehe unten) auf offenen Zugriff auf den von Systemd bereitgestellten Benachrichtigungs-Socket gesetzt werden. Falls NotifyAccess= fehlt oder auf none gesetzt ist, wird er zwangsweise auf main gesetzt. Beachten Sie, dass derzeit Type=notify nicht funktioniert, falls sie in Kombination mit PrivateNetwork=yes verwandt wird.

•Das Verhalten von idle ist sehr ähnlich zu simple; allerdings wird die tatsächliche Ausführung des Diensteprogramms verzögert, bis alle aktiven Aufträge abgefertigt sind. Dadurch wird vermieden, dass die Ausgabe von Shell-Diensten mit der Statusausgabe auf der Konsole vermischt wird. Beachten Sie, dass dieser Typ nur zur Verbesserung der Konsolenausgabe nützlich ist, er ist nicht als allgemeines Werkzeug zum Sortieren von Units nützlich und der Effekt dieses Dienstetyps unterliegt einer Zeitüberschreitung von 5 s, nach der das Diensteprogramm auf jeden Fall ausgeführt wird.

Es wird im Allgemeinen empfohlen, Type=simple wann immer möglich für langlaufende Dienste zu verwenden, da es die einfachste und schnellste Option ist. Da dieser Dienstetyp allerdings Fehler beim Starten nicht weiterleitet und keine Ordnung von anderen Units nach Abschluss der Initialisierung des Dienstes erlaubt (was beispielsweise für Clients sinnvoll ist, die sich mittels irgendeiner Art von IPC mit dem Dienst verbinden und der IPC-Kanal nur durch den Dienst selbst errichtet wird (statt dies vorab mittels Socket- oder Bus-Aktivierung oder ähnlichem zu erledigen)), könnte er in vielen Fällen nicht ausreichend sein. Dann sind notify oder dbus (Letzteres nur in dem Fall, in dem der Dienst eine D-Bus-Schnittstelle bereitstellt) die bevorzugten Optionen, da sie dem Diensteprogramm genau einzuplanen erlauben, wann der Dienst als erfolgreich gestartet betrachtet werden soll und wann mit den nachfolgenden Units fortgefahren werden soll. Der Dienstetyp notify benötigt explizite Unterstützung im Programmcode des Dienstes (da sd_notify() oder eine äquivalente API zum geeigneten Zeitpunkt durch den Dienst aufgerufen werden muss) — falls dies nicht unterstützt wird, ist forking eine Alternative: es unterstützt das Startprotokoll traditioneller UNIX-Dienste. Schließlich kann exec eine Option für die Fälle sein, in denen es ausreicht, sicherzustellen, dass das Diensteprogramm aufgerufen wurde und in denen das Diensteprogramm selbst keine oder nur sehr geringe Initialisierungen durchführt (und diese höchstwahrscheinlich erfolgreich sind). Beachten Sie, dass die Verwendung aller von simple verschiedenen Typen möglicherweise den Systemstartprozess verzögert, da der Diensteverwalter darauf warten muss, dass die Diensteinitialisierung abgeschlossen ist. Es wird daher empfohlen, nicht unnötigerweise von simple verschiedene Typen zu verwenden. (Es wird im Allgemeinen auch nicht empfohlen, idle oder oneshot für langlaufende Dienste zu verwenden.)

RemainAfterExit=

Akzeptiert einen logischen Wert, der festlegt, ob der Dienst, selbst wenn sich alle seine Prozesse beendet haben, als aktiv betrachtet werden sollte. Standardmäßig no.

GuessMainPID=

Akzeptiert einen logischen Wert, der festlegt, ob Systemd versuchen soll, die Haupt-PID eines Dienstes zu raten, falls es sie nicht zuverlässig bestimmen kann. Diese Option wird ignoriert, außer Type=forking ist gesetzt und PIDFile= ist nicht gesetzt, da für andere Typen oder mit einer explizit konfigurierten PID-Datei die Haupt-PID immer bekannt ist. Der Ratealgorithmus kann zu einem falschen Ergebnis kommen, falls der Daemon aus mehr als einem Prozess besteht. Falls die Haupt-PID nicht bestimmt werden kann, wird die Fehlschlagerkennung und der automatische Neustart eines Dienstes nicht zuverlässig funktionieren. Standardmäßig yes.

PIDFile=

Akzeptiert einen Pfad zur PID-Datei des Dienstes. Für Dienste, bei denen Type= auf forking gesetzt ist, wird die Verwendung dieser Option empfohlen. Der festgelegte Pfad zeigt typischerweise auf eine Datei unterhalb von /run/. Falls ein relativer Pfad angegeben wird, wird ihm daher /run/ vorangestellt. Der Diensteverwalter wird die PID des Hauptprozesses des Dienstes nach dem Starten des Dienstes aus dieser Datei auslesen. Der Diensteverwalter wird nicht in die hier konfigurierte Datei schreiben, allerdings wird er die Datei löschen, falls sie nach dem Beenden des Dienstes noch existiert. Die PID-Datei muss keinem privilegierten Benutzer gehören, falls sie aber einem unprivilegierten Benutzer gehört, werden zusätzliche Sicherheitsbeschränkungen durchgesetzt: die Datei darf kein Symlink auf eine Datei, die einem anderen Benutzer gehört, sein (weder direkt noch indirekt) und die PID-Datei muss sich auf einen Prozess beziehen, der bereits zum Dienst gehört.

BusName=

Akzeptiert einen D-Bus-Busnamen, unter dem dieser Dienst erreichbar ist. Die Option ist für Dienste, bei denen Type= auf dbus gesetzt ist, verpflichtend.

ExecStart=

Befehle mit ihren Argumenten, die ausgeführt werden, wenn dieser Dienst gestartet wird. Der Wert wird gemäß den unten beschriebenen Regeln in Null oder mehrere Befehlszeilen aufgeteilt (siehe Abschnitt »Befehlszeilen« unten).

Es muss genau ein Befehl angegeben werden, außer Type= ist auf oneshot gesetzt. Wenn Type=oneshot verwandt wird, dürfen Null oder mehr Befehle festgelegt werden. Befehle können durch Angabe mehrerer Befehlszeilen in der gleichen Anweisung angegeben werden oder alternativ kann diese Anweisung mehr als einmal mit der gleichen Wirkung festgelegt werden. Falls dieser Option die leere Zeichenketten zugewiesen wird, wird die Liste der zu startenden Befehle zurückgesetzt und vorhergehende Zuweisungen zu dieser Option haben keinen Effekt. Falls kein ExecStart= festgelegt ist, dann muss der Dienst RemainAfterExit=yes und mindestens eine gesetzte ExecStop=-Zeile haben. (Dienste, denen sowohl ExecStart= als auch ExecStop= fehlt, sind nicht gültig.)

Für jeden der festgelegten Befehle muss das erste Argument entweder ein absoluter Pfad zu einem Programm oder ein einfacher Dateiname ohne Schrägstriche sein. Optional kann dem Dateinamen eine Reihe von besonderen Zeichen vorangestellt werden:

Tabelle 1. Besondere Präfixe für Programme

Präfix Effekt
"@" Falls dem Programmpfad ein »@« vorangestellt wird, wird der zweite festgelegte Parameter als »argv[0]« (statt des tatsächlichen Dateinamens) an den ausgeführten Prozess übergeben, gefolgt von den weiteren festgelegten Argumenten.
"-" Falls dem Programmpfad ein »-« vorangestellt ist, wird ein Exit-Code, der normalerweise als Fehlschlag betrachtet wird (d.h. ein von Null verschiedener Exit-Status oder ein abweichender Exit aufgrund eines Signals), aufgezeichnet, hat aber weiter keine Wirkung und wird äquivalent zum Erfolg betrachtet.
":" Falls dem Programmpfad ein »:« vorangestellt ist, erfolgt keine Umgebungsvariablenersetzung (wie in dem nachfolgenden Abschnitt »Befehlszeilen« beschrieben).
"+" Falls dem Programmpfad ein »+« vorangestellt ist, wird der Prozess mit vollen Privilegien ausgeführt. In diesem Modus werden die mit User=, Group=, CapabilityBoundingSet= oder den verschiedenen Dateisystemnamensraumoptionen (wie PrivateDevices=, PrivateTmp=) konfigurierten Privilegienbeschränkungen für die aufgerufene Befehlszeile nicht angewandt (betreffen aber weiterhin jede andere ExecStart=-, ExecStop=-, … -Zeilen).
"!" Ähnlich zum oben besprochenen Zeichen »+« ermöglicht dieser den Aufruf von Befehlszeilen mit erweiterten Privilegien. Anders als »+« ändert das Zeichen »!« exklusiv den Effekt von User=, Group= und SupplementaryGroups=, d.h. nur die Absätze, die Benutzer- und Gruppenberechtigungen betreffen. Beachten Sie, dass diese Einstellung mit DynamicUser= kombiniert werden darf, womit ein dynamisches Benutzer-/Gruppenpaar vor dem Aufruf des Befehls reserviert wird, aber die Änderung der Berechtigungen dem ausgeführten Prozess selbst überlassen bleibt.
"!!" Dies ist sehr ähnlich zum Voranstellen von »!«, es wirkt allerdings nur auf Systemen, denen die Unterstützung für Umgebungsprozess-Capabilities fehlt, d.h. ohne Unterstützung für AmbientCapabilities=. Es ist für Unit-Dateien gedacht, die von Umgebungs-Capabilities profitieren, um wann immer möglich Prozesse mit minimalen Privilegien auszuführen, und gleichzeitig kompatibel zu Systemen bleiben sollen, denen die Unterstützung für Umgebungs-Capabilities fehlt. Beachten Sie, dass alle konfigurierten Absätze SystemCallFilter= und CapabilityBoundingSet= implizit modifiziert werden, wenn »!!« verwandt wird und erkannt wird, dass dem System die Unterstützung für Umgebungs-Capabilities fehlt, um zu erlauben, dass erzeugte Prozesse Berechtigungen und Capabilities selbst abgeben können, selbst falls konfiguriert wurde, dass dies nicht erlaubt ist. Desweiteren wird AmbientCapabilities= übersprungen und nicht angewandt, falls dies vorangestellt ist und ein System erkannt wird, dem die Unterstützung für Umgebungs-Capabilities fehlt. Auf Systemen, die Umgebungs-Capabilities unterstützen, hat »!!« keinen Effekt und ist redundant.

»@«, »-«, »:« und eines aus »+«/»!«/»!!« können zusammen verwandt werden und in jeder Reihenfolge auftauchen. Allerdings darf nur einer von »+«, »!«, »!!« gleichzeitig benutzt werden. Beachten Sie, dass diese Zeichen auch den anderen Befehlzeileneinstellungen vorangestellt werden dürfen, d.h. ExecStartPre=, ExecStartPost=, ExecReload=, ExecStop= und ExecStopPost=.

Falls mehr als ein Befehl festgelegt ist, werden die Befehle der Reihe nach in der Reihenfolge, in der sie in der Unit-Datei auftauchen, ausgeführt. Falls einer der Befehle fehlschlägt (und ihm kein »-« vorangestellt ist) werden die anderen Zeilen nicht ausgeführt und die Unit wird als fehlgeschlagen betrachtet.

Außer falls Type=forking gesetzt ist, wird der über die Befehlszeile gestartete Prozess als Hauptprozess des Daemons betrachtet.

ExecStartPre=, ExecStartPost=

Zusätzliche Befehle, die vor bzw. nach dem Befehl in ExecStart= gestartet werden. Syntax ist identisch zu ExecStart=, außer dass mehrere Befehlszeilen erlaubt sind und die Befehle seriell einer nach dem anderen ausgeführt werden.

Falls einer dieser Befehle (dem nicht »-« vorangestellt ist) fehlschlägt, wird der Rest nicht ausgeführt und die Unit als fehlgeschlagen betrachtet.

ExecStart=-Befehle werden nur ausgeführt, nachdem alle ExecStartPre=-Befehle, denen kein »-« vorangestellt wurde, sich erfolgreich beendet haben.

ExecStartPost=-Befehle werden nur ausgeführt, nachdem die in ExecStart= festgelegten Befehle erfolgreich gestartet wurden, wie durch Type= festgelegt (d.h. der Prozess wurde für Type=simple oder Type=idle gestartet, der letzte ExecStart=-Prozess hat sich erfolgreich für Type=oneshot beendet, der anfängliche Prozess hat sich für Type=forking erfolgreich beendet, »READY=1« ist für Type=notify gesetzt oder der BusName= ist für Type=dbus genommen worden.

Beachten Sie, dass ExecStartPre= nicht zum Starten von langlaufenden Prozessen verwandt werden darf. Alle von mittels ExecStartPre= aufgerufenen Prozesse mittels Fork gestarteten Prozesse werden getötet, bevor der nächste Diensteprozess ausgeführt wird.

Beachten Sie, dass falls einer der in ExecStartPre=, ExecStart= oder ExecStartPost= festgelegten Prozesse fehlschlägt (und ihm kein »-« vorangestellt wurde, siehe oben) oder seine Zeit abgelaufen ist, bevor der Dienst vollständig hochgekommen ist, die Ausführung mit den in ExecStopPost= festgelegten Komponenten fortgefahren wird und die Befehle in ExecStop= übersprungen werden.

ExecReload=

Zu startende Befehle lösen ein Neuladen der Konfiguration in dem Dienst aus. Dieses Argument akzeptiert mehrere Befehlszeilen, die dem gleichen Schema wie oben für ExecStart= folgen. Die Verwendung dieser Einstellung ist optional. Festlegungs- und Umgebungsvariablenersetzung wird hier mit dem gleichen Schema wie für ExecStart= unterstützt.

Eine zusätzliche, besondere Umgebungsvariable wird gesetzt: falls bekannt, wird $MAINPID auf den Hauptprozess des Daemons gesetzt und kann für Befehlszeilen wie der folgenden benutzt werden:

/bin/kill -HUP $MAINPID

Beachten Sie, dass das Neuladen eines Daemons durch Senden eines Signals (wie in dem obigen Beispiel) normalerweise keine gute Wahl ist, da dies eine asynchrone Aktion und daher nicht dazu geeigent ist, das Neuladen von mehreren Diensten untereinander zu sortieren. Es wird nachdrücklich empfohlen, ExecReload= auf einen Befehl zu setzen, der nicht nur das Neuladen des Daemons auslöst, sondern auch synchron darauf wartet, dass dies abgeschlossen wird.

ExecStop=

Die zum Stoppen des mittels ExecStart= gestarteten Dienstes zu verwendenden Befehle. Dieses Argument akzeptiert mehrere Befehlszeilen, die dem gleichen Schema wie oben für ExecStart= beschrieben folgen. Die Verwendung dieser Einstellung ist optional. Nachdem die in dieser Option konfigurierten Befehle ausgeführt wurden, wird impliziert, dass der Dienst gestoppt ist und alle von ihm verbliebenen Prozesse werden gemäß der Einstellung KillMode= beendet (siehe systemd.kill(5)). Falls diese Option nicht festgelegt ist, werden die Prozesse durch Senden des in KillSignal= festgelegten Signals beendet, wenn das Beenden eines Dienstes angefragt wird. Festlegungs- und Umgebungsvariablenersetzung wird unterstützt (einschließlich $MAINPID, siehe oben).

Beachten Sie, dass es normalerweise nicht ausreicht, einen Befehl für diese Einstellung festzulegen, der nur um das Beenden des Dienstes bittet (beispielsweise durch Einstellen einer Art von Signal dafür in die Warteschlange), aber dann nicht darauf wartet, dass es auch passiert. Da die verbleibenden Prozesse des Dienstes, direkt nachdem der Befehl sich beendet hat, gemäß den oben beschriebenen KillMode= und KillSignal= getötet werden, kann dies zu einem unsauberen Stopp führen. Der angegebene Befehl sollte daher eine synchrone Aktion und nicht eine asynchrone sein.

Beachten Sie, dass die in ExecStop= festgelegten Befehle nur ausgeführt werden, wenn der Dienst zuerst erfolgreich gestartet wird. Sie werden nicht aufgerufen, falls der Dienst überhaupt nie gestartet wurde oder im Falle, dass das Starten fehlschlug, beispielsweise weil einer der in ExecStart=, ExecStartPre= oder ExecStartPost= festgelegten Befehle fehlschlug (oder ihm kein »-« vorangestellt wurde, siehe oben) oder eine Zeitüberschreitung erfolgte. Verwenden Sie ExecStopPost=, um Befehle aufzurufen, wenn ein Dienst nicht korrekt startete und wieder heruntergefahren wird. Beachten Sie auch, dass die Stopp-Aktion immer durchgeführt wird, wenn der Dienst erfolgreich startete, selbst falls die Prozesse in dem Dienst sich von alleine beendeten oder getötet wurden. Der Stopp-Befehl muss für diesen Fall vorbereitet sein. $MAINPID wird nicht gesetzt sein, falls Systemd weiß, das sich der Hauptprozess zum Zeitpunkt des Aufrufs des Stopp-Befehls beendet hat.

Diensteneustartanfragen sind als Stopp-Aktionen gefolgt von Start-Aktionen implementiert. Dies bedeutet, dass während einer Diensteneustartaktion ExecStop= und ExecStopPost= ausgeführt werden.

Es wird empfohlen, diese Einstellung für Befehle zu verwenden, die mit dem Dienst kommunizieren, die das saubere Beenden erbitten. Für Post-mortem-Bereinigungsschritte verwenden Sie stattdessen ExecStopPost=.

ExecStopPost=

Zusätzliche Befehle, die ausgeführt werden, nachdem der Dienst beendet wurde. Dies schließt Fälle mit ein, bei denen die in ExecStop= konfigurierten Befehle verwandt wurden, bei denen der Dienst kein definiertes ExecStop= hat oder bei denen der Dienst unerwartet beendet wurde. Dieses Argument akzeptiert mehrere Befehlszeilen, die dem gleichen für ExecStart= definierten Schema folgen. Die Verwendung dieser Einstellungen ist optional. Festlegungs- und Umgebungsvariablenersetzung wird unterstützt. Beachten Sie, dass Befehle, die mit dieser Einstellung festgelegt werden – anders als ExecStop= – aufgerufen werden, wenn ein Dienst nicht korrekt startet und wieder heruntergefahren wird.

Es wird empfohlen, diese Einstellung für Aufräumaktionen zu verwenden, die ausgeführt werden sollen, selbst wenn das korrekte Starten des Dienstes fehlschlug. Befehle, die mit dieser Einstellung konfiguriert sind, müssen in der Lage sein, zu funktionieren, selbst falls der Dienst mitten im Starten fehlschlug und unvollständig initialisierte Daten hinterließ. Da alle Prozesse des Dienstes bereits beendet wurden, wenn die mit dieser Einstellung festgelegten Befehle ausgeführt werden, sollten sie nicht versuchen, mit ihnen zu kommunizieren.

Beachten Sie, dass alle mit dieser Einstellung konfigurierten Befehle mit dem Ergebnis-Code des Dienstes sowie dem Exit-Code und -Status des Hauptprozesses, gesetzt auf die Umgebungsvariablen $SERVICE_RESULT, $EXIT_CODE und $EXIT_STATUS, aufgerufen werden, siehe systemd.exec(5) für Details.

RestartSec=

Konfiguriert die vor dem Neustart eines Dienstes zu schlafende Zeit (wie in Restart= konfiguriert). Akzeptiert einen einheitenfreien Wert in Sekunden oder einen Zeitdauerwert wie »5min 20s«. Standardmäßíg 100 ms.

TimeoutStartSec=

Konfiguriert die Zeit, die auf das Starten gewartet werden soll. Falls ein Daemon-Dienst den Abschluss des Startens nicht innerhalb der konfigurierten Zeit signalisiert, wird der Dienst als fehlgeschlagen angesehen und wieder heruntergefahren. Akzeptiert einen einheitenfreien Wert in Sekunden oder einen Zeitdauerwert wie »5min 20s«. Übergeben Sie »infinity«, um die Zeitüberschreitungslogik zu deaktivieren. Standardmäßig DefaultTimeoutStartSec= aus der Verwalterkonfigurationsdatei, außer wenn Type=oneshot konfiguriert ist, dann wird die Zeitüberschreitung standardmäßig deaktiviert (siehe systemd-system.conf(5)).

Falls ein Dienst vom Type=notify »EXTEND_TIMEOUT_USEC=…« sendet, kann dies dazu führen, dass die Startzeit sich über TimeoutStartSec= hinauszieht. Der erste Empfang dieser Nachricht muss auftreten, bevor TimeoutStartSec= überschritten wird und sobald die Startzeit sich über TimeoutStartSec= hinausgezogen hat, wird der Diensteverwalter dem Dienst die Weiterführung des Startens erlauben, vorausgesetzt, der Dienst wiederholt »EXTEND_TIMEOUT_USEC=…« innerhalb des festgelegten Intervalls, bis der Dienstestart durch »READY=1« abgeschlossen ist (siehe sd_notify(3)).

TimeoutStopSec=

Diese Option dient zwei Zwecken. Zuerst konfiguriert sie die Zeit, die für jeden ExecStop=-Befehl gewartet werden soll. Falls bei einem von ihnen eine Zeitüberschreitung auftritt, werden nachfolgende ExecStop=-Befehle übersprungen und der Dienst wird durch SIGTERM beendet. Falls keine ExecStop=-Befehle festgelegt sind, erhält der Dienst das SIGTERM sofort. Zweitens konfiguriert sie die Zeit, die auf das Stoppen des Dienstes selbst gewartet werden soll. Falls der sich nicht innerhalb der festgelegten Zeit beendet, wird er zwangsweise durch SIGKILL (siehe KillMode= in systemd.kill(5)) beendet. Akzeptiert einen einheitenfreien Wert in Sekunden oder einen Zeitdauerwert wie »5min 20s«. Übergeben Sie »infinity«, um die Zeitüberschreitungslogik zu deaktivieren. Standardmäßig DefaultTimeoutStopSec= aus der Verwalterkonfigurationsdatei (siehe systemd-system.conf(5)).

Falls ein Dienst vom Type=notify »EXTEND_TIMEOUT_USEC=…« sendet, kann dies dazu führen, dass die Stoppzeit sich über TimeoutStopSec= hinauszieht. Der erste Empfang dieser Nachricht muss auftreten, bevor TimeoutStopSec= überschritten wird und sobald die Stoppzeit sich über TimeoutStopSec= hinausgezogen hat, wird der Diensteverwalter dem Dienst die Weiterführung des Stoppens erlauben, vorausgesetzt, der Dienst wiederholt »EXTEND_TIMEOUT_USEC=…« innerhalb des festgelegten Intervalls oder beendet sich (siehe sd_notify(3)).

TimeoutSec=

Eine Kurzform, um sowohl TimeoutStartSec= als auch TimeoutStopSec= auf den festgelegten Wert zu konfigurieren.

RuntimeMaxSec=

Konfiguriert eine maximale Laufzeit für den Dienst. Falls dies verwandt wird und der Dienst länger als die festgelegte Zeit gelaufen ist, wird er beendet und in einen Fehlschlagzustand versetzt. Beachten Sie, dass diese Einstellung keine Auswirkungen auf Type=oneshot-Dienste hat, da diese sofort beendet werden, nachdem ihre Aktivierung abgeschlossen ist. Übergeben Sie »infinity« (die Vorgabe), um keine Laufzeitbeschränkung zu konfigurieren.

Falls ein Dienst vom Type=notify »EXTEND_TIMEOUT_USEC=…« sendet, kann dies dazu führen, dass die Laufzeit sich über RuntimeMaxSec= hinauszieht. Der erste Empfang dieser Nachricht muss auftreten, bevor RuntimeMaxSec= überschritten wird und sobald die Laufzeit sich über RuntimeMaxSec= hinausgezogen hat, wird der Diensteverwalter dem Dienst die Weiterführung des Laufens erlauben, vorausgesetzt, der Dienst wiederholt »EXTEND_TIMEOUT_USEC=…« innerhalb des festgelegten Intervalls, bis das Herunterfahren durch »STOPPING=1« (oder die Beendigung) erreicht wird (siehe sd_notify(3)).

WatchdogSec=

Konfiguriert die Watchdog-Zeitüberschreitung für einen Dienst. Der Watchdog wird aktiviert, wenn das Hochfahren abgeschlossen ist. Der Dienst muss regelmäßig sd_notify(3) mit »WATCHDOG=1« (d.h. dem »Totmannschalter«) aufrufen. Falls die Zeit zwischen zwei solcher Aufrufe größer als die konfigurierte Zeit ist, dann wird der Dienst in einen Fehlschlagzustand versetzt und mit SIGABRT (oder dem mit WatchdogSignal= festgelegten Signal) beendet. Durch Setzen von Restart= auf on-failure, on-watchdog, on-abnormal oder always wird der Dienst automatisch neu gestartet. Die hier konfigurierte Zeit wird in der Umgebungsvariablen WATCHDOG_USEC= an den ausgeführten Prozess übergeben. Dies ermöglicht es Daemons, die Totmannschaltlogik zu aktivieren, falls für den Dienst die Watchdog-Unterstützung aktiviert ist. Falls diese Option verwandt wird, sollte NotifyAccess= (siehe unten) auf offenen Zugriff auf das durch Systemd bereitgestellte Benachrichtigungs-Socket gesetzt werden. Falls NotifyAccess= nicht gesetzt ist, wird es implizit auf main gesetzt. Standardmäßig 0, wodurch diese Funktionalität deaktiviert wird. Der Dienst kann prüfen, ob der Diensteverwalter Watchdog-Lebenszeichenbenachrichtigungen erwartet. Siehe sd_watchdog_enabled(3) für Details. sd_event_set_watchdog(3) kann zur Aktivierung der automatischen Watchdog-Benachrichtigungsunterstützung verwandt werden.

Restart=

Konfiguriert, ob der Dienst neu gestartet werden soll, wenn der Diensteprozess sich beendet, getötet wird oder eine Zeitüberschreitung erreicht wird. Der Diensteprozess kann der Hauptdiensteprozess sein, aber er kann auch einer der mit ExecStartPre=, ExecStartPost=, ExecStop=, ExecStopPost= oder ExecReload= festgelegten sein. Wenn der Tod des Prozesses das Ergebnis einer Systemd-Aktion ist (z.B. Dienste-Stopp oder -Neustart), wird der Dienst nicht neu gestartet. Zeitüberschreitungen schließen nicht eingehaltene Fristen für die Watchdog-»Totmannschaltung« und Zeitüberschreitungen für die Aktionen Dienste-Start, -Neuladen und -Stopp ein.

Akzeptiert no, on-success, on-failure, on-abnormal, on-watchdog, on-abort oder always. Falls auf no (die Vorgabe) gesetzt, wird der Dienst nicht neu gestartet. Falls auf on-success gesetzt, wird er nur neu gestartet, wenn sich der Diensteprozess sauber beendet. In diesem Kontext bedeutet das saubere Beenden einen Exit-Code 0 oder eines der Signale SIGHUP, SIGINT, SIGTERM oder SIGPIPE und zusätzlich in SuccessExitStatus= festgelegte Exit-Stati und Signale. Falls auf on-failure gesetzt, wird der Dienst neu gestartet, wenn der Prozess sich mit einem von Null verschiedenen Exit-Code beendet, durch ein Signal beendet wird (einschließlich eines Speicherauszuges, aber ausschließlich der vorher genannten Signale), wenn eine Aktion (wie das Neuladen eines Dienstes) in eine Zeitüberschreitung läuft und wenn die konfigurierte Watchdog-Zeitüberschreitung ausgelöst wird. Falls auf on-abnormal gesetzt, wird der Dienst neu gestartet, wenn der Prozess durch ein Signal beendet wird (einschließlich eines Speicherauszuges, aber ausschließlich der vorher genannten Signale), wenn eine Aktion in eine Zeitüberschreitung läuft und wenn die konfigurierte Watchdog-Zeitüberschreitung ausgelöst wird. Falls auf on-abort gesetzt, wird der Dienst nur neu gestartet, falls sich der Dienst aufgrund eines nicht abgefangenen Signals, das nicht als sauberer Exit-Status festgelegt ist, beendet hat. Falls auf on-watchdog gesetzt, wird der Dienst nur neu gestartet, wenn die Watchdog-Zeitüberschreitung für den Dienst abläuft. Falls auf always gesetzt, wird der Dienst neu gestartet, unabhängig davon, ob er sauber beendet wurde oder nicht, abnormal durch ein Signal beendet wurde oder in eine Zeitüberschreitung lief.

Tabelle 2. Exit-Gründe und der Effekt der Einstellung Restart=
darauf

Neustart-Einstellung/Exit-Grund no always on-success on-failure on-abnormal on-abort on-watchdog
Sauberer Exit-Code oder -Signal   X X        
Unsauberer Exit-Code   X   X      
Unsauberes Signal   X   X X X  
Zeitüberschreitung   X   X X    
Watchdog   X   X X   X

Als Ausnahme zu den obigen Einstellungen wird der Dienst nicht neu gestartet, falls der Exit-Code oder das Exit-Signal in RestartPreventExitStatus= (siehe unten) festgelegt ist oder der Dienst mit systemctl stop oder einer äquivalenten Aktion gestoppt wird. Auch wird der Dienst immer neu gestartet, falls der Exit-Code oder das Exit-Signal in RestartForceExitStatus= (siehe unten) festgelegt ist.

Beachten Sie, dass der Diensteneustart der mit StartLimitIntervalSec= und StartLimitBurst= konfigurierten Unit-Startratenbegrenzung unterliegt, siehe systemd.unit(5) für Details. Ein neugestarteter Dienst tritt in den Fehlerzustand nur ein, nachdem die Startratenbegrenzungen erreicht wurden.

Für langlaufende Dienste wird empfohlen, dies auf on-failure zu setzen, um die Zuverlässigkeit zu erhöhen, indem die automatische Wiederherstellung bei Fehlern versucht wird. Für Dienste, die sich nach eigenen Kriterien beenden (und sofortige Neustarts vermeiden) können, ist on-abnormal eine alternative Wahl.

SuccessExitStatus=

Akzeptiert eine Liste von Exit-Statusdefinitionen, die als erfolgreiche Beendigung betrachtet werden, wenn sie vom Hauptdiensteprozess zurückgeliefert werden, zusätzlich zu dem normalen Exit-Code 0 und den Signalen SIGHUP, SIGINT, SIGTERM und SIGPIPE. Exit-Statusdefinitionen können entweder numerische Exit-Codes oder Beendigungssignalnamen, getrennt durch Leerzeichen, sein. Beispiel:

SuccessExitStatus=1 2 8 SIGKILL

Dies stellt sicher, dass die Exit-Codes 1, 2, 8 und das Beendigungssignal SIGKILL als saubere Dienstebeendigung betrachtet werden.

Falls diese Option mehr als einmal auftaucht, wird die Liste der erfolgreichen Exit-Stati zusammengeführt. Falls dieser Option die leere Zeichenkette zugewiesen wird, wird diese Liste zurückgesetzt und alle vorherigen Zuweisungen zu dieser Option haben keinen Effekt.

RestartPreventExitStatus=

Akzeptiert eine Liste von Exit-Statusdefinitionen, die automatische Diensteneustarts verhindern, wenn sie von dem Hauptdienstprozess zurückgeliefert werden, unabhängig von der mit Restart= konfigurierten Neustarteinstellung. Exit-Statusdefinitionen können entweder numerische Exit-Codes oder Beendigungssignalnamen, getrennt durch Leerzeichen, sein. Standardmäßig ist dies die leere Liste, so dass standardmäßig kein Exit-Status von der konfigurierten Neustartlogik ausgeschlossen ist. Beispiel:

RestartPreventExitStatus=1 6 SIGABRT

Dies stellt sicher, dass die Exit-Codes 1 und 6 und das Beendigungssignal SIGABRT nicht zu einem automatischen Diensteneustart führen. Wenn diese Option mehr als einmal auftaucht, werden die Neustart-verhindernden Status zusammengeführt. Falls dieser Option die leere Zeichenkette zugewiesen wird, wird diese Liste zurückgesetzt und alle vorherigen Zuweisungen zu dieser Option haben keinen Effekt.

Beachten Sie, dass diese Einstellung keine Auswirkung auf mittels ExecStartPre=, ExecStartPost=, ExecStop=, ExecStopPost= oder ExecReload= konfigurierte Prozesse hat, sondern nur auf den Hauptdiensteprozess, d.h. entweder den mittels ExecStart= aufgerufenen oder (abhängig von Type=, PIDFile=, …) den anderweitig konfigurierten Hauptprozess.

RestartForceExitStatus=

Akzeptiert eine Liste von Exit-Statusdefinitionen, die automatische Diensteneustarts erzwingen, wenn sie von dem Hauptdienstprozess zurückgeliefert werden, unabhängig von der mit Restart= konfigurierten Neustarteinstellung. Das Argumentenformat ist ähnlich zu RestartPreventExitStatus=.

RootDirectoryStartOnly=

Akzeptiert ein logisches Argument. Falls wahr, wird das Wurzelverzeichnis, das mit der Option RootDirectory= (siehe systemd.exec(5) für weitere Informationen) konfiguriert ist, nur für den mit ExecStart= gestarteten Prozess angewandt und nicht für die verschiedenen anderen Befehle ExecStartPre=, ExecStartPost=, ExecReload=, ExecStop= und ExecStopPost=. Falls falsch, wird die Einstellung auf alle konfigurierten Befehle auf die gleiche Art angewandt. Standardmäßig falsch.

NonBlocking=

Setzt den Schalter O_NONBLOCK für alle über Socket-basierte-Aktivierung übergebenen Dateideskriptoren. Falls wahr, wird bei allen Dateideskriptoren >= 3 (d.h. allen außer Stdin, Stdout, Stderr), ausschließlich solcher, die über die Dateideskriptorspeicherlogik (siehe FileDescriptorStoreMax= für Details) übergeben wurden, der Schalter O_NONBLOCK gesetzt und diese sind daher im nicht blockierenden Modus. Diese Option ist wie in systemd.socket(5) beschrieben nur im Zusammenhang von Socket-Units nützlich und hat auf Dateideskriptoren, die beispielsweise früher in dem Dateideskriptorspeicher gespeichert wurden, keinen Effekt. Standardmäßig falsch.

NotifyAccess=

Steuert den Zugriff auf das Statusbenachrichtigungs-Socket, wie es über den Aufruf sd_notify(3) erreichbar ist. Akzeptiert none (die Vorgabe), main, exec oder all. Falls none, werden keine Daemon-Statusaktualisierungen vom Diensteprozess akzeptiert, alle Statusaktualisierungsnachrichten werden ignoriert. Falls main, werden nur vom Hauptprozess des Dienstes gesandte Diensteaktualisierungen akzeptiert. Falls exec, werden nur Diensteaktualisierungen, die von einem der Haupt- oder Steuerprozesse, die aus einem der Befehle Exec*= stammen, gesandt wurden, akzeptiert. Falls all, werden alle Diensteaktualisierungen aus allen Mitgliedern der Control-Gruppe des Dienstes akzeptiert. Diese Option sollte gesetzt werden, um Zugriff auf das Benachrichtigungs-Socket zu öffnen, wenn Type=notify oder WatchdogSec= verwandt wird (siehe oben). Falls jene Optionen verwandt werden, aber NotifyAccess= nicht konfiguriert ist, werden sie implizit auf main gesetzt.

Beachten Sie, dass sd_notify()-Benachrichtigungen nur Units korrekt zugeordnet werden können, falls entweder der sendende Prozess noch zu dem Zeitpunkt vorhanden ist, zu dem PID 1 die Nachricht verarbeitet oder falls der sendende Prozess explizit vom Diensteverwalter laufzeitverfolgt ist. Letzteres ist der Fall, falls der Diensteverwalter den Prozess ursprünglich mit fork erzeugte, d.h. bei allen Prozessen, die auf NotifyAccess=main oder NotifyAccess=exec passen. Umgekehrt, falls ein Hilfsprozess einer Unit eine sd_notify()-Nachricht sendet und sich sofort beendet, könnte der Diensteverwalter nicht in der Lage sein, die Nachricht korrekt der Unit zuzuordnen und wird sie daher ignorieren, selbst falls NotifyAccess=all für sie gesetzt ist.

Sockets=

Legt den Namen der Socket-Unit fest, von der dieser Dienst Socket-Dateideskriptoren erben soll, wenn der Dienst gestartet wird. Normalerweise sollte es nicht notwendig sein, diese Einstellung zu verwenden, da alle Socket-Dateideskriptoren, deren Unit den gleichen Namen wie der Dienst benutzt (vorbehaltlich natürlich der verschiedenen Unit-Namensendungen), an den aufgerufenen Prozess übergeben werden.

Beachten Sie, dass der gleiche Socket-Dateideskriptor simultan an mehrere Prozesse übergeben werden kann. Beachten Sie auch, dass ein anderer Dienst auf eingehenden Socket-Verkehr aktiviert werden kann als derjenige, der schließlich konfiguriert ist, den Socket-Dateideskriptor zu erben. Oder mit anderen Worten: Die Einstellung Service= von .socket-Units muss nicht auf das Inverse der Einstellung Sockets= von .service, auf die es sich bezieht, passen.

Falls diese Option mehr als einmal auftaucht, wird die Liste der Socket-Units zusammengeführt. Falls dieser Option die leere Zeichenkette zugewiesen wird, wird diese Liste zurückgesetzt und alle vorherigen Zuweisungen zu dieser Option haben keinen Effekt.

FileDescriptorStoreMax=

Konfiguriert, wie viele Dateideskriptoren in dem Diensteverwalter für den Dienst mittels »FDSTORE=1«-Nachrichten von sd_pid_notify_with_fds(3) gespeichert werden können. Dies ist zur Implementierung von Diensten nützlich, die sich nach einer expliziten Anfrage oder einem Absturz ohne Zustandsverlust neu starten können. Alle offenen Sockets und andere Dateideskriptoren, die während des Neustarts nicht geschlossen werden sollen, können auf diese Art gespeichert werden. Der Anwendungszustand kann entweder in eine Datei in /run serialisiert werden oder besser in einem memfd_create(2)-Speicherdateideskriptor gespeichert werden. Standardmäßig 0, d.h. kein Dateideskriptor kann im Diensteverwalter gespeichert werden. Alle dem Diensteverwalter von einem bestimmten Dienst übergebenen Dateideskriptoren werden beim nächsten Neustart des Dienstes an den Hauptprozess des Dienstes zurückgegeben. Alle an den Diensteverwalter übergebenen Dateideskriptoren werden automatisch geschlossen, wenn POLLHUP oder POLLERR auf ihnen gesehen wird oder wenn der Dienst vollständig gestoppt wird und kein Auftrag in der Warteschlange ist oder für ihn ausgeführt wird. Falls diese Option verwandt wird, sollte NotifyAccess= (siehe oben) gesetzt werden, um Zugriff auf den von Systemd bereitgestellten Benachrichtigungs-Socket zu öffnen. Falls NotifyAccess= nicht gesetzt ist, wird es implizit auf main gesetzt.

USBFunctionDescriptors=

Konfiguriert den Ort einer Datei, die Deskriptoren für USB FunctionFS[2], für die Implementierung von USB-Gadget-Funktionen, enthält. Dies wird nur in Zusammenhang mit einer Socket-Unit mit konfiguriertem ListenUSBFunction= verwandt. Der Inhalt dieser Datei wird nach deren Öffnen in die Datei ep0 geschrieben.

USBFunctionStrings=

Konfiguriert den Ort einer Datei, die USB-FunctionFS-Zeichenketten enthält. Das Verhalten ist zu obiger USBFunctionDescriptors= ähnlich.

Lesen Sie systemd.exec(5) und systemd.kill(5) für weitere Einstellungen.

Dieser Abschnitt beschreibt die Auswertung der Befehlszeile und Variablen- und Kennzeichnerersetzung für die Optionen ExecStart=, ExecStartPre=, ExecStartPost=, ExecReload=, ExecStop= und ExecStopPost=.

Mehrere Befehlszeilen können in eine einzelne Anweisung zusammengefasst werden, indem sie mit Semikola (die als separate Wörter übergeben werden müssen) getrennt werden. Einzelne Semikola können als »\;« maskiert werden.

Jede Befehlszeile wird bei Leerraumzeichen aufgeteilt, wobei das erste Objekt der auszuführende Befehl und die nachfolgenden Objekte dessen Argumente sind. Doppelte ("…") und einfache Anführungszeichen ('…') können zum Einhüllen eines ganzen Objekts verwandt werden (das öffnende Anführungszeichen darf nur am Anfang oder nach Leerraumzeichen, die nicht in Anführungszeichen sind, erscheinen und dem schließenden Anführungszeichen muss Leerraumzeichen oder das Zeilenende folgen), dabei wird alles bis zum nächsten passenden Anführungszeichen Teil des gleichen Arguments. Die Anführungszeichen selbst werden entfernt. C-artige Maskierungen werden auch unterstützt. Die nachfolgende Tabelle enthält die Liste der bekannten Maskiermuster. Nur Maskiermuster, die auf die Syntax in der Tabelle passen, sind erlaubt; andere Muster können in der Zukunft hinzugefügt werden und unbekannte Muster führen zu einer Warnung. Insbesondere sollten alle Rückwärtsschrägstriche verdoppelt werden. Schließlich kann ein abschließender Rückwärtsschrägstrich (»\«) zum Zusammenführen von Zeilen verwandt werden.

Diese Syntax ist von der Shell-Syntax inspiriert, aber nur die in den nachfolgenden Absätzen beschriebenen Metazeichen und Erweiterungen werden verstanden und die Expansion von Variablen unterscheidet sich. Insbesondere werden Umleitungen mittels »<«, »<<«, »>« und »>>«, Pipes mittels »|«, das Ausführen von Programmen im Hintergrund und andere Elemente der Shell-Syntax nicht unterstützt.

Der auszuführende Befehl darf Leerzeichen enthalten, aber Steuerzeichen sind nicht erlaubt.

Die Befehlszeile akzeptiert wie in systemd.unit(5) beschrieben »%s«-Kennzeichner.

Grundlegende Umgebungsvariablenersetzung wird unterstützt. Verwenden Sie auf der Befehlszeile »${FOO}« als Teil des Worts oder als einzelnes Wort, das dann durch den Wert der Umgebungsvariablen, einschließlich des darin enthaltenen Leerraums, ersetzt und zu einem einzelnen Argument wird. Verwenden Sie »$FOO« als ein separates Wort auf der Befehlszeile, das durch den Wert der Umgebungsvariablen, getrennt an den Leerraumzeichen, ersetzt wird und zu Null oder mehr Argumenten führt. Für diese Art von Expansion werden Anführungszeichen beim Trennen in Wörter berücksichtigt und anschließend entfernt.

Falls der Befehl kein kompletter (absoluter) Pfad ist, wird er mittels eines festen, zum Zeitpunkt der Kompilierung bestimmten Suchpfades zu einem kompletten Pfad aufgelöst. Suchverzeichnisse sind unter anderem /usr/local/bin/, /usr/bin/, /bin/ auf Systemen, die getrennte Verzeichnisse /usr/bin/ und /bin/ verwenden, und ihre sbin/-Gegenstücke auf Systemen, die getrennte bin/ und sbin/ verwenden. Es ist daher sicher, nur den Programmnamen zu verwenden, falls das Programm sich in einem der »Standard«-Verzeichnisse befindet. Für andere Fälle muss ein absoluter Pfad verwandt werden. Es wird empfohlen, einen absoluten Pfad zu verwenden, um Mehrdeutigkeiten zu vermeiden. Tipp: Dieser Suchpfad kann mit systemd-path search-binaries-default abgefragt werden.

Beispiel:

Environment="EINS=eins" 'ZWEI=zwei zwei'
ExecStart=echo $EINS $ZWEI ${ZWEI}

Dies führt /bin/echo mit vier Argumenten aus: »eins«, »zwei«, »zwei« und »zwei zwei«.

Beispiel:

Environment=EINS='eins' "ZWEI='zwei zwei' auch" DREI=
ExecStart=/bin/echo ${EINS} ${ZWEI} ${DREI}
ExecStart=/bin/echo $EINS $ZWEI $DREI

Dies führt dazu, dass /bin/echo zweimal aufgerufen wird, das erste Mal mit den Argumenten »'eins'«, »'zwei zwei' auch« »« und das zweite Mal mit den Argumenten »eins«, »zwei zwei«, »auch«.

Um ein wörtliches Dollarzeichen zu übergeben, verwenden Sie »$$«. Variablen, deren Wert zum Expansionszeitpunkt nicht bekannt ist, werden als leere Zeichenkette behandelt. Beachten Sie, dass das erste Argument (d.h. das auszuführende Programm) keine Variable sein darf.

Variablen, die auf diese Art verwandt werden, können mittels Environment= und EnvironmentFile= definiert werden. Zusätzlich können Variablen, die im Abschnitt »Umgebungsvariablen in erzeugten Prozessen« in systemd.exec(5), die als »statische Konfiguration« betrachtet werden, verwandt werden (dies schließt beispielsweise $USER, aber nicht $TERM ein).

Beachten Sie, dass Shell-Befehlszeilen nicht direkt unterstützt werden. Falls Shell-Befehlszeilen verwandt werden sollen, müssen sie explizit an eine Art von Shell-Implementierung übergeben werden. Beispiel:

ExecStart=sh -c 'dmesg | tac'

Beispiel:

ExecStart=echo eins ; echo "zwei zwei"

Dies wird echo zwei Mal ausführen, jedes Mal mit einem Argument: »eins« bzw. »zwei zwei«. Da zwei Befehle festgelegt sind, muss Type=oneshot verwandt werden.

Beispiel:

ExecStart=echo / >/dev/null & \; \
ls

Dies wird echo mit fünf Argumenten ausführen: »/«, »>/dev/null«, »&«, »;« und »ls«.

Tabelle 3. In Befehlszeilen und Umgebungsvariablen unterstützte
C-Maskierungen

Wortsinn Tatsächlicher Wert
"\a" Glockenton
"\b" Rückschritt (»backspace«)
"\f" Seitenvorschub
"\n" Zeilenumbruch
"\r" Wagenrücklauf
"\t" Tabulator
"\v" Vertikaler Tabulator
"\\" Rückschrägstrich (»backslash«)
"\"" doppeltes Anführungszeichen
"\'" einfaches Anführungszeichen
"\s" Leerzeichen
"\xxx" Zeichen Nummer xx in hexadezimaler Kodierung
"\nnn" Zeichen Nummer nnn in oktaler Kodierung

Beispiel 1. Einfacher Dienst

Die folgende Unit-Datei erstellt einen Dienst, der /usr/sbin/foo-daemon ausführt. Da kein Type= festgelegt ist, wird die Vorgabe Type=simple angenommen. Systemd wird annehmen, dass die Unit sofort nach Beginn der Ausführung des Programmes gestartet werden soll.

[Unit]
Description=Foo
[Service]
ExecStart=/usr/sbin/foo-daemon
[Install]
WantedBy=multi-user.target

Beachten Sie, dass Systemd hier annimmt, dass der durch Systemd gestartete Prozess läuft, bis der Dienst beendet wird. Falls das Programm sich selbst zum Daemon macht (d.h. Fork ausführt), verwenden Sie bitte stattdessen Type=forking.

Da kein ExecStop= festgelegt wurde, wird Systemd SIGTERM an alle von diesem Dienst gestarteten Prozesse senden und nach einer Zeitüberschreitung auch SIGKILL. Dieses Verhalten kann verändert werden, siehe systemd.kill(5) für Details.

Beachten Sie, dass dieser Unit-Typ keine Art von Benachrichtigung, wenn der Dienst seine Initialisierung abgeschlossen hat, enthält. Dafür sollten Sie andere Unit-Typen, wie Type=notify, falls der Dienst das Benachrichtigungsprotokoll von Systemd versteht, Type=forking, falls der Dienst sich selbst in den Hintergrund bringen kann oder Type=dbus, falls der Dienst einen DBus-Namen erlangt, sobald die Initialisierung abgeschlossen ist, in Betracht ziehen. Siehe unten.

Beispiel 2. Oneshot-Dienst

Manchmal sollen Units einfach eine Aktion ausführen, ohne aktive Prozesse zu behalten, wie beispielsweise eine Dateisystemüberprüfung oder eine Aufräumaktion beim Systemstart. Dafür existiert Type=oneshot. Units dieser Art werden warten, bis der festgelegte Prozess sich beendet hat und dann auf einen inaktiven Status zurückfallen. Die folgende Unit wird eine Aufräumaktion durchführen:

[Unit]
Description=Bereinigung alter Foo-Daten
[Service]
Type=oneshot
ExecStart=/usr/sbin/foo-cleanup
[Install]
WantedBy=multi-user.target

Beachten Sie, dass Systemd die Unit im Status »starting« betrachten wird, bis sich das Programm beendet hat, daher werden Ordnungsabhängigkeiten auf die Beendigung des Programms warten, bevor sie sich selbst starten. Die Unit wird zum Zustand »inactive« nach dem Abschluss der Ausführung zurückkehren und niemals den Zustand »active« erreichen. Das bedeutet, dass eine weitere Anfrage, die Unit zu starten, die Aktion erneut ausführen wird.

Nur Units mit Type=oneshot dürfen mehr als ein ExecStart= festgelegt haben. Sie werden der Reihe nach ausgeführt, bis sie alle erfolgreich waren oder einer fehlschlug.

Beispiel 3. Beendbarer Oneshot-Dienst

Ähnlich zum Oneshot-Dienst gibt es manchmal Units, die ein Programm ausführen müssen, um etwas einzurichten, und dann ein anderes, um es herunterzufahren, aber es bleibt kein Prozess aktiv, während diese als »started« betrachtet werden. Netzwerkkonfiguration kann manchmal in diese Kategorie fallen. Ein anderer Anwendungsfall ist, falls ein Oneshot-Dienst nicht jedesmal, wenn er als Abhängigkeit hereingezogen wird, ausgeführt werden soll, sondern nur beim ersten Mal.

Dafür kennt Systemd die Einstellung RemainAfterExit=yes, die dazu führt, dass Systemd die Unit als aktiv betrachtet, falls die Startaktion sich erfolgreich beendet hat. Diese Anweisung kann mit allen Typen verwandt werden, ist aber mit Type=oneshot und Type=simple am nützlichsten. Mit Type=oneshot wird Systemd warten, bis die Startaktion abgeschlossen ist, bevor es die Unit als aktiv betrachtet, daher starten Abhängigkeiten erst nachdem die Startaktion erfolgreich war. Mit Type=simple werden die Abhängigkeiten sofort nach dem Absetzen der Startaktion gestartet. Die nachfolgende Unit stellt ein Beispiel für eine einfache statische Firewall bereit.

[Unit]
Description=Einfache Firewall
[Service]
Type=oneshot
RemainAfterExit=yes
ExecStart=/usr/local/sbin/simple-firewall-start
ExecStop=/usr/local/sbin/simple-firewall-stop
[Install]
WantedBy=multi-user.target

Da die Unit als laufend betrachtet wird, nachdem sich die Start-Aktion beendet hat, wird der Aufruf von systemctl start auf dieser Unit zu keiner Aktion führen.

Beispiel 4. Traditioneller forkender Dienst

Viele traditionelle Daemons/Dienste bringen sich selbst in den Hintergrund (d.h. forken, daemonisieren sich), wenn sie starten. Setzen Sie Type=forking in der Unit-Datei des Dienstes, um diesen Betriebsmodus zu unterstützen. Systemd wird den Dienst im Prozess der Initialisierung betrachten, während das ursprüngliche Programm noch läuft. Sobald es sich erfolgreich beendet und mindestens ein Prozess verbleibt (und RemainAfterExit=no), wird der Dienst als gestartet betrachtet.

Oft besteht ein traditioneller Daemon nur aus einem Prozess. Daher wird Systemd diesen Prozess als den Hauptprozess des Dienstes betrachten, falls nur ein Prozess nach Beendigung des ursprünglichen Prozesses verbleibt. In diesem Fall wird die Variable $MAINPID in ExecReload=, ExecStop= usw. verfügbar sein.

Falls mehr als ein Prozess verbleibt, wird Systemd nicht in der Lage sein, den Hauptprozess zu bestimmen und wird daher annehmen, dass es keinen gibt. In diesem Fall wird $MAINPID nicht auf etwas expandiert. Falls allerdings der Prozess entscheidet, eine traditionelle PID-Datei zu schreiben, wird Systemd in der Lage sein, die Haupt-PID von dort zu bestimmen. Bitte setzen Sie PIDFile= entsprechend. Beachten Sie, dass der Daemon diese Datei schreiben sollte, bevor er seine Initialisierung abschließt. Andernfalls könnte Systemd versuchen, die Datei zu lesen, bevor sie existiert.

Das folgende Beispiel zeigt einen einfachen Daemon, der forkt und einfach einen Prozess im Hintergrund startet:

[Unit]
Description=Ein einfacher Daemon
[Service]
Type=forking
ExecStart=/usr/sbin/my-simple-daemon -d
[Install]
WantedBy=multi-user.target

Bitte lesen Sie systemd.kill(5) für Details, wie Sie die Art, wie Systemd die Dienste beendet, beeinflussen können.

Beispiel 5. DBus-Dienste

Für Dienste, die einen Namen auf dem DBus-Systembus erlangen, verwenden Sie Type=dbus und setzen BusName= entsprechend. Der Dienste sollte nicht forken (daemonisieren). Systemd wird den Dienst als initialisiert betrachten, sobald der Name auf dem Systembus erlangt wurde. Das folgende Beispiel zeigt einen typischen DBus-Dienst:

[Unit]
Description=Einfacher DBus-Dienst
[Service]
Type=dbus
BusName=org.example.simple-dbus-service
ExecStart=/usr/sbin/simple-dbus-service
[Install]
WantedBy=multi-user.target

Für Bus-aktivierbare Dienste nehmen Sie keinen Abschnitt »[Install]« in der Systemd-Dienstedatei auf, sondern verwenden die Option SystemdService= in der entsprechenden DBus-Dienstedatei, beispielsweise (/usr/share/dbus-1/system-services/org.example.simple-dbus-service.service):

[D-BUS Service]
Name=org.example.simple-dbus-service
Exec=/usr/sbin/simple-dbus-service
User=root
SystemdService=simple-dbus-service.service

Bitte lesen Sie systemd.kill(5) für Details, wie Sie die Art, wie Systemd die Dienste beendet, beeinflussen können.

Beispiel 6. Dienste, die Systemd über ihre Initialisierung benachrichtigen

Type=simple-Dienste sind wirklich einfach zu schreiben, haben aber den großen Nachteil, dass Systemd nicht feststellen kann, wann die Initialisierung des gegebenen Dienstes abgeschlossen ist. Aus diesem Grund unterstützt Systemd ein einfaches Benachrichtigungsprotokoll, das es Daemons erlaubt, Systemd darüber in Kenntnis zu setzen, dass sie initialisiert sind. Verwenden Sie dafür Type=notify. Eine typische Dienste-Datei für solch einen Daemon sähe wie folgt aus:

[Unit]
Description=Einfacher Benachrichtigungsdienst
[Service]
Type=notify
ExecStart=/usr/sbin/simple-notifying-service
[Install]
WantedBy=multi-user.target

Beachten Sie, dass der Daemon das Benachrichtigungsprotokoll von Systemd unterstützen muss, da ansonsten Systemd glauben wird, dass der Dienst noch nicht gestartet wurde und ihn nach einer Zeitüberschreitung töten wird. Für ein Beispiel, wie transparent ein Daemon aktualisiert wird, um dieses Protokoll zu unterstützen, schauen Sie in sd_notify(3). Systemd wird die Unit im Zustand »starting« betrachten, bis eine Bereitschaftsbenachrichtigung angekommen ist.

Bitte lesen Sie systemd.kill(5) für Details, wie Sie die Art, wie Systemd die Dienste beendet, beeinflussen können.

systemd(1), systemctl(1), systemd-system.conf(5), systemd.unit(5), systemd.exec(5), systemd.resource-control(5), systemd.kill(5), systemd.directives(7), systemd-run(1)

1.
Inkompatibilitäten mit SysV
https://www.freedesktop.org/wiki/Software/systemd/Incompatibilities
2.
USB FunctionFS
https://www.kernel.org/doc/Documentation/usb/functionfs.txt

Die deutsche Übersetzung dieser Handbuchseite wurde von Helge Kreutzmann <debian@helgefjell.de> erstellt.

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